Brücke-Krücke - Mein Herz ging verloren
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1981 - Das Jahr der Behinderten. Ein erfolgreiches Jahr?
Für mich bestimmt. Die erste Klasse mit gemeinsamem Unterricht für
Kinder mit und ohne Behinderung wurde eingerichtet. Und ich war dabei.
Außerdem gab es noch einen weiteren "Urknall" initialgezündet von
"Urvater" Manfred. Brücke-Krücke kam zur Welt. Nur davon hat mich
damals keiner informiert.
Erst 9 Jahre später erhielt ich einen Anruf.
Für einen noch betreuungs- und beaufsichtigungsbedürftigen
Jüngling wurde eine gleichaltrige, schon vernünftigere Begleitung
gesucht. Die Begleitung mußte eine Behinderung haben, damit die
benötigten Gelder fließen konnten. Es sollte nach Israel gehen mit
Brücke-Krücke.
Mein Gott, war ich aufgeregt. Zum ersten Mal eine
Fernreise ohne meine Familie mit lauter fremden Leuten in ein unbekanntes
Land.
Das erste Info-Treffen. Faszinierendes Chaos, faszinierend nette
Leute. Ich war begeistert. Mit dieser Gruppe mußte Reisen Spaß
machen.
Es wurde eine tolle Reise - Ich verlor mein Herz gleich drei Mal:
an Israel, an Brücke-Krücke und - allerdings nur für ein halbes
Jahr - an einen jungen Mann.
Untrügliche, da wohl angeboren und auch durch Lernen nicht veränderbare Merkmale von Brücke-Krücke:
Mangelhafte Organisation, denn es gibt keine formale Leitung, jeder packt zu, organisiert mit - manchmal auch gegen den Strich.
Hohe Eigeninitiative und Selbständigkeit, denn es gibt keine Betreuer, jeder trägt Mitverantwortung - freiwillig oder geschubst!
Großer Einfallsreichtum und Einsatz, denn auch die Rollstuhlfahrer sollen überall dabei sein - z.B. auch die Plattform des Aussichtsturm erreichen (wenns eben nicht anders geht, huckepack!) oder den Berg Tabor (mangels Stauraum Rollis auf dem Taxidach, durch die Fenster gehalten von den Mitfahrern).
Permanente Unpünktlichkeit - Kein Wunder bei der
Organisation!
Allerdings wurde bisher noch kein Zug, kein Flugzeug
verpaßt.
Viele spontane Aktionen, denn es gibt keine Aufsicht, nur junge Leute mit viel Unsinn im Sinn - oder macht es etwa Sinn z.B. unfreiwillig und voll bekleidet ein Bad im Meer bzw. in einem See nehmen zu müssen?
Insgesamt also ein herrlich chaotischer Haufen, der Unmögliches möglich macht und mit dem jede Reise zum Abenteuer wird - Israel, Segeln, Rom, Venedig, Amsterdam, Belgien, Luxemburg, Paris, Andalusien, Polen, London und natürlich jeden Januar Ahrhütte.
Mein erstes Abenteuer war also Israel. Ein Land voller kultureller,
sozialer und politischer Gegensätze, wunderschöner, historischer
Bauwerke, eindrucksvoller, fremdartiger Naturdenkmäler.
Jerusalem mit
seinen vielen Gesichtern: Der prächtige Felsendom - Moschee, glitzernd in
der Sonne, die Grabeskirche, das geheimnisvolle Königsgrab mit seinen
dunklen Gängen, die Klagemauer, Yad Vashem, die Gedenkstätte für
Millionen ermordeter Juden und zugleich Mahnmal gegen Unmenschlichkeit und
Grausamkeit, das quirlige arabische Viertel.
Der blumenreiche Ort Tabgha am
See Genezareth. Am toten Meer die Festung Masada auf einem großen
Felsplateau. Dort hatten 900 Juden sich selbst getötet, nachdem sie der
langen Belagerung durch die Römer nicht mehr länger standhalten
konnten. Betlehem, Jericho, Nazareth, das Amphittheater in Caesarea, die
Kreuzritterburg Belvoir und noch so vieles mehr machte schon allein diese Reise
zu einem grandiosen Erlebnis.
Aber da war noch Brücke-Krücke und das bedeutete:
Schwimmen im unheimlich kalten See Genezareth
Schlammschlacht am toten Meer
"Schweben" auf dem extrem salzigen Wasser - eine besondere Genuß für unsere Rollis
Übernachten unter sternklarem Himmel
überreiche, besonders leckere, selbstbereitete Picknicks
"tanzende" Rollis zu israelischer Musik in den Unterkünften
lustige, sehr ausgedehnte, feucht-fröhliche Abende
kreuz und quer schlafende "Leichen" im Bus wegen zu kurzer Nächte
Burkhard als gespenstischheulender Mahner vor der "gefäährlichen Frauuu" in den dunklen Gängen des Königsgrabs oder als Sänger und Animateur - bewaffnet mit einem stibitzten Mirkophon - auf dem Schiff während der Fahrt über den See Genezareth,
"Doktor" Schlee mit seinen "Gemälden" der Sehenwürdigkeiten, den "Porträits" der TeilnehmerInnen und seiner wiederkehrenden Warnung vor Schwangerschaften, wenn er irgendwo eines der neuen oder alten Liebespärchen entdeckte,
Herumbalgen, Herumalbern, Streiche Spielen, Flirten, aber auch viele ernste Gespräche und neue Freundschaften.
Nur eins hat nicht geklappt: Ich habe den zu "Beaufsichtigenden" einfach nicht vom Fläschchen weggekriegt. Uff!
In Liebe, Ariane
Dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen! Daniel
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